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und

 

Michael Augustinski
„iss“ Schokolade"
75 x 97 cm
Tempera, und Kreide
1993

 
 
 

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Vielleicht handelt es sich um einen - hier kulissenartig wirkenden - Marktplatz einer kleinen Stadt, irgendwo im Süden, in Portugal oder in Spanien. Die einstöckigen Häuser haben die Tageshitze der verschwindenden Sonne gespeichert, deren letzte Strahlen die mittige gelbe Fassade spiegelt. Davor entfaltet sich das Geschehen zwischen Tagtraum und Realität: Ein unter Sonnenschirmen zwischen Caféhaustischen sitzender Mann, der die vorderen Figuren und den Betrachter beobachtet. Davor sitzt in der linken Bildecke frontal zugewandt ein Mädchenakt; in der rechten Ecke steht ein Hund, dessen Vorderpfoten auf einer Staffelei aufsetzen.
Der Künstler entwirft das Bild mit einer dynamisierenden, unregelmäßigen, schwarzen Konturlinie und bindet dadurch die expressiv leuchtenden Farbfelder. Innerhalb des schiefen Liniengerüstes behaupten sich Rot, Grün und Gelb dominant gegen Blau und Violett.
Man könnte die Szene so verstehen: der Maler ist im doppelten Sinn in dem Bild präsent. Beobachtend erscheint er im zentralen Bereich, als der unter den Schirmen sitzende Mann, der zurückgezogen die Dinge gedanklich verfolgt und dessen Modell dabei (imaginär) verfügbar erscheint. Darüber hinaus ist er als „alter ego“ in Gestalt des Hundes an der Staffelei zugegen. Der Bildtitel „iss Schokolade“, der sich auch als verbale Botschaft auf dem Grund findet, untersetzt die in einer rätselhaften Melancholie entworfene Szene mit einem zusätzlichen Sarkasmus. Ein Titel, der sich übrigens auch auf weiteren Arbeiten des Künstlers aus dem Motivkreis Mädchenakt und Hund im südlichen Ambiente findet. Der Bestand der Artothek enthält außerdem eine Reihe von Graphiken mit Zirkusszenen und ein weiteres großformatiges Bild - ein Mädchenakt zwischen Menschen am Billardtisch.

Katharina Köpping (2005/2008)

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